Musterung Erfahrungsbericht

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Ich hatte es ja schon angekündigt, dass ich zur Musterung „durfte“. Gleich vorneweg, nein ich wurde leider nicht ausgemustert. Naja, ändern kann ich nun leider wahrscheinlich eh nichts mehr, deswegen folgt nun einfach mal ein kleiner Musterungserfahrungsbericht, für all diejenigen, die die Musterung noch vor sich haben.

„Antreten“ musste ich zur Musterung schon um 7:45 Uhr. Da das Kreiswehrersatzamt nicht gerade um die Ecke liegt, musste ich also relativ früh aufstehen und das auch noch in den Ferien. Da ich nicht gerne früh aufstehe, war meine Laune dementsprechend auch im Keller, als ich endlich ankam. Im Nachhinein betrachtet, ist ein so früher Musterungstermin aber dann doch nicht so schlecht, da vor allem die ärztlichen Untersuchungen sehr schnell ablaufen, ohne große Wartezeit, da ja noch nicht viele da waren.

Als erstes musste man sich anmelden. Manche „Helden“ habe wirklich mehr als eine Stunde vor der Anmeldung gewartet und sich dann gewundert, warum sie nicht aufgerufen werden 🙂 Ich bin aber instinktiv natürlich gleich zur Anmeldung. Da muss man dann auch gleich angeben, ob man Fahrtkosten hatte und diese ersetzt haben möchte. Eine Fahrkarte vom Zug oder ähnliches musste man dabei nicht zeigen.

Nach der Anmeldung folgt die Aufnahme der Personalien. Dort habe ich dann auch meine Rückstellung beantragt, da ich aktuell wieder zur Schule gehe und die auch gern abschließen möchte. Dies ist zum Glück kein Problem, sodass ich erst in zwei Jahren eingezogen werde. Bei der Aufnahme der Personalien gibt man auch weitere Fähigkeiten und Kenntnisse an. Man muss selbst sagen, ob man einen Führerschein hat und wie viel Kilometer man schon gefahren ist. Anschließend soll man sagen, wohin man denn gerne möchte: Marine, Luftwaffe oder Heer.

Nach der Aufnahme der Personalien, musste ich ganz kurz warten, bis ich auch schon ins nächste Zimmer geschickt wurde. Dort wurde ich gemessen und gewogen und musste Urin abgegeben.

Ohne Wartezeit wurde ich dann gleich zum Seh- und Hörtest mitgenommen. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig beschissen habe, aber gebracht hat es nichts. Allgemein glaube ich, dass man ohne ärztliche Bescheinigung nicht durch den Seh- oder Hörtest ausgemustert werden kann.

Anschließend musste ich wieder warten, für die letzte Untersuchung. Wie ich später feststellte, habe diese Ärzte anschließend auch mich wirklich gemustert. War ich bisher wirklich freundlich behandelt worden, waren die zwei Ärztinnen im letzten Zimmer wirklich sehr unfreundlich. Als erstes geht man eine Liste durch, über bestimmte Krankheiten und Leiden. Diese bestimmen letztendlich ob man ausgemustert wird oder nicht. Obwohl ich nachweislich zittere und auch Probleme mit dem Rücken habe, half das bei mir aber alles nichts. Wenn man also irgendwas hat und sich sicher ist, dadurch im Wehrdienst eingeschränkt zu sein, sollte man sich auf jeden Fall ein ärztlichen Nachweis schriftlich geben lassen. Vertraut bloß nicht eurem Arzt der meint, dass es auch ohne Attest geht.
Nachdem man seine Krankengeschichte offenbart hat, darf man sich dann bis zur Boxershort ausziehen und es wird der Puls gemessen. Anschließen in der Boxershort 20 Kniebeugen und wieder wird der Puls gemessen. Als Abschluss darf man noch seine Boxershort ausziehen und es kommt der wohl allen bekannten und gefürchteten „Eiergriff“. Muss man eben durch 😉
Zum Abschluss gibt es dann das Ergebnis, in meinem Fall T2, obwohl ich damit natürlich nicht einverstanden bin. Man selbst hat da aber natürlich kein Mitspracherecht. Man kann zwar auch im Nachhinein Atteste vorlegen, aber ob das noch soviel bringt bezweifele ich.

Wer nun schon am Anfang gesagt hat, er würde Zivildienst machen, der würde dann schon zu seinem Abschlussgespräch kommen. Allerdings wäre dieser auch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausgemustert worden, da Zivis immer gebraucht werden. Da ich auf eine Ausmusterung spekuliert habe, musste ich nun also auch noch den anderen Quatsch mitmachen. Zeitlich war ich bis jetzt bei etwa 2 Stunden, es ging also sehr schnell.

Nach meinem Musterungsergebnis durfte ich zum nächsten Raum, in dem wieder ein paar Daten abgefragt wurden. Hier wurde ich auch gefragt, in welche Truppe ich denn gerne möchte. Dort erfuhr ich auch, dass ich durch meine sehr gute Ausbildung im IT-Bereich und dem Informationstechnischen Gymnasium, das ich gerade besuche, auf jeden Fall in die IT-Truppe sollte. Vielleicht stand meine gute Qualifikation und mein Alter auch einer möglichen Ausmusterung im Wege – gute Leute werden halt überall gebraucht ;), wer weiß das schon.

Nun ging es auch gleich in den Eignungstest. Da man schon gemustert war, brachte es jetzt natürlich nichts mehr, sich irgendwie dumm/schwach zu verkaufen. Der Test ist für 2 Stunden angelegt. Hier werden grundlegende Fähigkeiten geprüft. Neben logischen Denken, wurden auch die Kenntnisse in Mathematik, sowie die Rechtschreibung am Computer überprüft. Zum Schluss folgte noch ein Reaktionstest. Der komplette Eignungstest wird am Computer durchgeführt.

Nach dem Test durfte ich dann wieder ewig auf meine Ergebnisse warten. Wie mir mitgeteilt wurde, gibt es eine Skala von 1 bis 7, wobei 1 sehr gut ist und 7 total versagt. Ich lag mit meinen 3,2 schön in der Mitte. Kein wirklich gutes Ergebnis, so wirklich angestrengt habe ich mich aber auch nicht, da die Aufgaben und das ganze drum herum schon sehr nerven. Im Prinzip war es auch egal, wie ich später erkennen konnte, schließlich darf ich fast alles in meinem Wehrdienst machen, außer Tätigkeiten, die durch meine T 2 Musterung ohnehin ausgeschlossen sind. Wie dieser Eignungstest Einfluss auf das Ergebnis nimmt erschließt sich mir nicht genau.

Nun war ich auch fast am Ende, mein Abschlussgespräch stand an. Und dafür musste ich wirklich am längsten warten, was mich dann schon sehr verärgert hat. Vor allem weil der Typ dann schnell seinen Text heruntergebeten hat (das war wirklich auswendig gelernt !) und mir dann meine Papier gab. Das wars dann schon und dafür habe ich fast eine Stunde gewartet? Naja, der Bund eben…

Insgesamt habe ich etwas über 4 Stunden gebraucht und das für das komplette Programm. Leider hat mir das Ergebnis nicht sonderlich gefallen, nun habe ich aber 2 Jahre Zeit zu entscheiden was ich mach. Wehrdienst fällt bei mir wahrscheinlich raus, da ich zum einen nicht hinter der Bundeswehr und ihren „Machenschaften“, vor allem im Ausland, stehe und zum anderen müsste ich mein hart aufgebautes kleines Unternehmen aufgeben. Damit kommt für mich nur noch der Zivildienst in Frage. Reizen würde mich auch ein soziales Jahr, bzw. den Zivildienst im Ausland zu absolvieren. Allerdings habe ich auch hier das Problem, dass ich dann wahrscheinlich mein Unternehmen aufgeben müsste und das ist einfach nicht drin. Zuviel Zeit habe ich darin gesteckt. So bleibt also nur noch der Zivildienst, vielleicht finde ich aber auch eine andere Lösung.

Das war dann auch schon mein Musterungsbericht. Ist im Prinzip alles nicht so schlimm, ärgerlich ist nur die fehlende Gleichberechtigung (warum zur Hölle dürfen Frauen gleich studieren und dann ihre Karriere machen!? Kinder bekommen doch eh nur noch die wenigsten…). Außerdem muss man nicht glauben, dort fair eingestuft zu werden. Alleine schon die Tatsache, dass Mädchen kein Dienst machen müssen ist unfair. Aber auch die Musterungspraxis ansich ist nicht wirklich fair. Neben mir saß beispielsweise im Warteraum ein muskelbepackter Typ, der locker bei der französischen Fremdenlegion anheuern könnte und was war er? T3, ich der aber durch das Zittern keine Waffe richtig halten kann, bzw. das Zielen so gut wie unmöglich ist, ich werde T2. Genauso Menschen mit Übergewicht werden sofort ausgemustert, obwohl diese ja auch einen sozialen Dienst verrichten können. Meiner Ansicht ist das System einfach nicht mehr Zeitgemäß, aber so ist das Leben und wenn man immer den einfachen Weg gehen könnte, wäre es ja auch langweilig.

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1 Antwort zu Musterung Erfahrungsbericht

  1. Christian sagt:

    Kann ich soweit alles bestätigen, meine Musterung lief fast genauso, wobei ich da gute 6 Stunden verbringen „durfte“ und nicht „nur“ 4 🙂 Ohne Atteste geht leider wirklich nichts, daher hole dir wegen dem Zittern eins vom Arzt und schick das zum KWEA nach und pocher auf ne Nachmusterung. Ich selber bin als T2er, also genau wie du, dann zum Bund, da ist auch die Webseite entstanden (mit dem super Titel aga-macht-gaga.de :-)) Im Endeffekt wars nicht so schlimm, man macht tolle Erfahrungen, lernt auch nette Leute kennen (ich mein die Kameraden, nicht unbedingt die Ausbilder/Vorgesetzten). Überlegs dir 😉

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